Bedrohung und Schutz
Der Apollofalter ist ein besonderer Schmetterling, der laut der Roten Liste Rheinland-Pfalz als extrem selten eingestuft wird. Deutschlandweit gilt der Rote Apollofalter und damit auch die Unterart Moselapollo als stark gefährdet und vom Aussterben bedroht!
Was macht diesen Schmetterling so besonders und warum wird ihm so viel Aufmerksamkeit entgegengebracht?
Der Moselapollo lebt ausschließlich im unteren Moseltal in Rheinland-Pfalz. Sein Lebensraum besteht aus schroffen und meist sehr steilen Felsen, die von Weinbergen umgeben sind – einer Natur- und Weinkulturlandschaft, die außergewöhnlich und eng ineinander verzahnt ist. Dort hat er sich vor tausenden von Jahren durch geografische Isolation zu einer besonderen Unterart entwickelt und besiedelt die sonnigen Bereiche inmitten der Weinberge. Seinen Ursprung hat der Schmetterling in den Gebirgenregionen Vorderasiens und ist nach der letzten Eiszeit in geeigneten Lebensräumen auf dem europäischen Kontinent eingewandert. Er gilt nicht nur bei Schmetterlingskundlern und Naturliebhabern als eine ausgesprochen beliebte und bedeutende Art. Auch die Moselaner kennen und schätzen ihren einzigartigen Schmetterling!
Wie zeigt sich der Rückgang der Population?
Waren es vor Jahren noch mehrere von anfangs 30 Fundorten im Habitat entlang der Mosel, sind es gegenwärtig nur noch vier kleine Areale, an denen man den Moselapollo beobachten kann. Die Anzahl der Moselapollo die während der Flugzeit gezählt werden, sind alamierend gering. Beides – also sowohl der Verlust von bislang als sicher geltenden Standorten, als auch die Ergebnisse des Monitorings – bestätigen, dass die Einstufung des Moselapollos als aussterbende Art gerechtfertigt ist. Beunruhigend ist das Tempo, in welchem dies in den letzten Jahren voranschreitet.
Ein Spezialist wie der Moselapollo ist abhängig von einer ganz bestimmten Umgebung und reagiert folglich besonders empfindlich auf Veränderungen.
Was könnten die Gründe für den Rückgang sein?
Einen einzigen Faktor für den Einbruch der Moselapollo-Population verantwortlich zu machen, entspricht nicht den Tatsachen. Falls dies zutreffen würde, lägen die Aussichten auf eine Rettung dieser Art wahrscheinlich besser. Die Ursache für den Abwärtstrend der Population ist vermutlich einem Zusammenspiel vieler Faktoren geschuldet.
Einen großen Einfluss dürfte die Veränderung des Lebensraumes haben, die immer schneller voranschreitet. Zu nennen ist in dem Zusammenhang der Klimawandel mit Auswirkungen auf alle Stadien der Entwicklung des Falters. Einwirkungen haben vor allem die steigenden Temperaturen am Felsen, die Trockenheit im Frühjahr, Austrocknung der Futterpflanzen, Starkregenereignisse, usw.
Die Verbuschung der Flächen und der damit einhergehende Verlust von natürlichen Felshabitaten ist ein zunehmendes Problem. Daneben spielt besonders die nachlassende Offenhaltung durch die Aufgabe der Rebflächen eine große Rolle.
Der mittlerweile hohe Stickstoffeintrag ist ein weiterer Gefährdungsfaktor. Düngung auf den Agrarflächen der angrenzenden Hochfläche führen zu Veränderungen der Bodenvegetation. Dies hat einen negativen Einfluss auf die Nahrungspflanze der Raupen.
Die Nähe zu den Verkehrswegen wie Zugstrecke, Bundesstraße und Radweg entlang der Mosel werden schon seit langem als Gefährdung eingestuft. Nachweislich werden tote Falter gefunden, die als Verkehrsopfer eingeordnet werden.
Im aktuellen Fokus steht der Einsatz von chemischen Substanzen, die im Weinberg zum Pflanzenschutz ausgebracht werden. Zurzeit laufen Untersuchungen, die dies feststellen sollen.
Schutz und Projekte
Der Apollofalter gehört zu den streng geschützten Arten nach § 7 des Bundesnaturschutzgesetzes.
Apollofalter benötigen ausschließlich voll besonnte und freie Felsfluren in Verbindung mit dem Vorkommen der Futterpflanze für die Raupen, dem Weißen Mauerpfeffer (Sedum album). Die Raupen des Moselapollos sind einzig auf diese Nahrungsquelle in den extremen Felsstandorten spezialisiert. Im Moseltal werden die eng mit den Felsen verzahnten Weinbergsflächen, insbesondere die Bruchsteinmauern auf denen der Weiße Mauerpfeffer wächst, als erweiterter Lebensraum mitbenutzt. Darüber hinaus ist der Falter auf ein reichhaltiges Angebot an Nektarpflanzen angewiesen, die seinen hohen Energiebedarf während der Paarung und der Eiablage sicherstellen. Bevorzugt saugt er an Skabiosen-Flockenblumen, Kartäusernelken und Disteln. Wenn diese Anforderungen durch oben aufgeführte Störungen nicht gewährleistet sind, ist der Lebensraum für den Apollofalter nicht mehr geeignet.
Ist der Mosel-Apollofalter einmal aus dem Moseltal verschwunden, besteht kaum eine Chance, ihn wieder anzusiedeln.
Was könnte dem Verschwinden des Mosel-Apollofalters entgegenwirken?
Die Einflüsse des Klimawandels lassen sich erwartungsgemäß nicht so schnell verändern, wie der Apollofalter es braucht. Daher sollten die Faktoren, auf die wir vor Ort reagieren können, schnellstmöglich umgesetzt werden. In erster Linie wären das:
- Entbuschung und Freihaltung der Felsen und Flächen, die dem Apollofalter als Lebensraum entsprechen.
- Verhinderung, dass die relevanten Rebflächen zum Beispiel durch Aufgabe der Betriebe brachfallen.
- Fokus auf die „Pufferzonen“ zwischen Fels und Weinberg, um die letzten bestehenden Areale besonders zu schützen.
- Aufwertung des Lebensraumes durch Anpflanzung der Nektarpflanzen.
- Eine einvernehmliche Lösung der Problematik im Konflikt zwischen Naturschutz und Weinbau. Gegenwärtig werden Verfahren erprobt, um den notwendigen Einsatz zu modifizieren. Darüber hinaus wird der Einsatz des Spritzhubschraubers zur Ausbringung der Pflanzenschutzmittel mancherorts in bekannten Apollohabitaten auf Drohnenspritzung umgerüstet.
Es bleibt zu hoffen, dass die aktuell laufenden Maßnahmen und Bemühungen schnell zu einer positiven Wende führen!
Die Apollofalter-Erhaltungzucht
Mit einem weiteren wichtigen Projekt wird parallel zu den oben aufgeführten Bemühungen eine zusätzliche Hilfsmaßnahme zur Erhaltung der Unterart eingesetzt.
Ein Team von Schmetterlingsexperten und -expertinnen züchtet seit 2020 Mosel-Apollofalter in extra dafür entwickelten Boxen. Aus der Nachzucht werden sowohl Raupen als auch Falter auf eigens dafür vorbereitete Flächen ausgesetzt. Diese Wiederansiedlungsversuche haben schon zu kleinen Erfolgen geführt und lassen hoffen, dass das komplette Aussterben des seltenen Falters dadurch verhindert werden kann.
Die meisten Raupen aus der Zucht werden ab einem bestimmten Larvenstadium auf die vorbereiteten Apolloflächen ins Freiland umgesiedelt, in der Hoffnung dort die alamierend schwindende Population erhalten zu können. Nur einzelne Tiere werden bis zum Falterstadium durchgezüchtet, um die Zucht zu erhalten.