Der Lebensraum des Moselapollo

Das Landschaftsbild des unteren Moseltals ist geprägt von teils sehr steilen Felsstrukturen inmitten einer beeindruckenden Weinkulturlandschaft. Die Mosel, die in den Vogesen entspringt, fließt in diesem Abschnitt zwischen den Mittelgebirgslandschaften Eifel und Hunsrück im nördlichen Rheinland-Pfalz. Nur wenige Kilometer später mündet sie in den Rhein. Die von der Sonne begünstigten Hänge wurden schon zu Zeiten der Römer als Weinanbauflächen kultiviert. Trockenmauern zwischen und unterhalb der Felsen sind seither charakteristisch für diese Region. Gesäumt wird das Bild unter anderem von Eichen- und Hainbuchenwälder, die sich in die vielen Seitentäler ausweiten.  

Die Moselberge mit den steilen Felsen und den vielen Bruchsteinmauern des Terrassenweinbaus zwischen Winningen und Kobern ist charakteristisch für das Gebiet der Untermosel.

Die Heimat des Moselapollos liegt zwischen den Orten Bremm und Winningen.

Neben der offenen Landschaftsstruktur sind es die besonderen Klimaverhältnisse, die der Moselapollo hier genießt. Das mediterrane Klima in den südexponierten Bereichen kommt dem sonnenliebenden Schmetterling zugute. Durch die dunklen Felsen steigen die Temperaturen schnell an. Diese braucht er, um sich in die Lüfte schwingen zu können. 

Felsen mit Mauerpfeffer und Skabiosen-Flockenblumen sind die Anflugstellen des Moselapollos.
Natürliche Felsenbereiche und Weinbergterrassen sind in diesem Gebiet eng verzahnt.
In solchen markanten und offenen Felsgebieten entlang des unteren Moseltals hält sich der Apollofalter gerne auf.
Die Trockenmauern der Weinberge werden vom Apollofalter zur Eiablage und von den Raupen als Lebensraum genutzt.

Maßgeblich für den Apollofalter ist jedoch, dass diese besondere Landschaftsform obendrein große Bestände des Weißen Mauerpfeffers (Sedum album) aufweist. Als Futterpflanze für die gefräßigen Raupen ist er die Grundlage dafür, dass der Moselapollo in dieser Region seine Heimat hat.

Das Apollofalterweibchen hat den Eiablageplatz im Hang gut gewählt. Rundum ist ein üppiges Angebot an Weißer Fetthenne. Die Raupe, die erst im kommenden Frühjahr schlüpft kann sich genüßlich satt essen.

Die bevorzugte Nektarpflanzen des Moselapollos sind die Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa) und die Kartäusernelke (Dianthus carthusianorum). Daneben wird auch der Echte Dost (Origanum vulgare) gerne angenommen, sofern er zur Flugzeit des Falters schon in der Blüte steht. Ebenso gehören Disteln zu den gern genutzten Nektarquellen des Schmetterlings. All diese Pflanzen blühen im Lebensraum des Apollofalters während dessen Flugzeit. Er fühlt sich allein schon von deren violettblauen Farben magisch angezogen. Daneben werden die Blüten der Weißen Fetthenne (Sedum album) auch nicht verschmäht. So steht diese typsche Pflanze der Weinberge nicht nur als Futterpflanze der Raupen, sondern während der Blüte auch dem Falter zur Verfügung. 

Ein großer Bestand an Skabiosen-Flockenblumen (Centaurea scabiosa) ist im Lebensraum der Apollofalter von unschätzbarem Wert.
Um den hohen Energiebedarf zu decken, fliegt der Falter bevorzugt die schönen lila Blüten der Skabiosen-Flockenblume an.
Der Echte Dost (Origanum vulgare) wird auch Wilder Majoran genannt. Wenn der Dost blüht bietet er dem Apollofalter durch einen extrem hohen Zuckergehalt viel Energie.
Um an den tief im Kelch verborgenen Nektar der Kartäusernelke zu kommen, benutzt der Falter seinen langen Saugrüssel. Trotz seiner Größe gelingt es ihm, sich an der verhältnismäßig kleinen Blüte festzukrallen.
Die zarte Kartäusernelke (Dianthus carthusianorum) hebt sich mit ihrer leuchtenden Farbe von den dunklen Felsen gut ab. Sie wächst auf den meist sonnig warmen Hängen vereinzelt oder in lockeren Gruppen.
Die stacheligen und kratzigen Blüten und Blätter der Distel beeindrucken den Apollofalter wenig. Er landet auf der weichen und puscheligen Korbblüte.
Außer dieser Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense) blühen während der Flugsaison weitere Distelarten, die dem Falter als Nektarquelle zur Verfügung stehen.
An der gleichen Pflanze, an denen sich die Raupen im Frühjahr von den zarten fleischigen Blättern ernähren, saugt der Falter im Frühsommer an den winzigen weißen Blüten.
Die Weiße Fetthenne (Sedum album) ist eine genügsame Pflanze, die an trockenheiße und mageren Standorten angepasst ist.

Die Lebensweise des Mosel-Apollofalters

Die Eier

Das Leben des Apollofalters beginnt als Ei , das von den Weibchen zwischen Mitte Mai und Ende Juli an Felsen und Bruchsteinmauern, seltener an Pflanzenstängel abgelegt wird.
Bei optimalen Bedingungen legt das Weibchen nach der Begattung etwa 150 Eier im Laufe ihres 2–4-wöchigen Lebens. Dabei fliegt sie ohne große Strecken zu absolvieren die Felsen und Bruchsteinmauern nach geeigneten Eiablageplätzen ab. In der Regel achtet das Weibchen darauf, dass sich die Futterpflanzen der Raupen in der Nähe befinden. Glücklicherweise ist der Bestand an Weißer Fetthenne (Sedum album) noch ausreichend vorhanden. 
Eine hohe Quote an erfolgreicher Eiablage ist unter anderm vom Angebot an Nahrung abhängig. Sind genügend Futterpflanzen da, an denen das Weibchen Energie aus dem Nektar tanken kann, ist es in der Lage Eier nachzuproduzieren. Desweiteren spielen die Wetterbedingungen eine Rolle. Apollofalter fliegen nur bei Sonnenschein und ab einer bestimmten Temperatur. Falls es in der Flugsaison unbeständig, oft regnerisch und kühl sein sollte, fehlt es schlichtweg an Zeit, alle Eier abzulegen. Das Weibchen verbringt dann zu lange abwartend in der schützenden Vegetation.

Kaum wahrnehmbar kleben die kleinen Eier an den Felsen. Unter einem kleinen Vorsprung sind sie gut geschützt.
Meist werden die Eier einzeln abgelegt. Hier hat sich das Weibchen einen besonderen Platz neben einem Fossil ausgesucht.
Dieser Platz hat dem Weibchen anscheinend gut gefallen. Gleich vier Eier wurden nebeneinander platziert.
Das Schlupfloch zeigt, dass die kleine Eiraupe geschlüpft ist und das nächste Stadium ihres Lebens angetreten hat.

Die Raupen

Eine lange Zeit ist seit der letzten Flugperiode der Falter im Jahr zuvor vergangen. Seit etwa 10 Monaten liegt die kleine Eiraupe nun schon vollentwickelt in ihrem schützenden Ei und hat darin überwintert. Die ersten warmen Sonnenstrahlen im Februar bringen die Raupe dazu, an ihrer Eihülle zu knabbern. Sind die Bedingungen richtig, beginnt die Schlupfphase. Die Apolloraupen verlassen ihre schützende Eihülle und werden sich fortan fast ausschließlich dem Fressen der Fetthenne zuwenden. Während dieser Zeit, die etwa 60 – 70 Tage beträgt, häuten sie sich viermal.

Eine sehr seltene Beobachtung im Freiland: Das Schlüpfen einer Apollofalter-Raupe im Februar 2022 in ihrem Lebensraum in der Nähe von Winningen.

Gut geschützt in ihrem Ei hat die Raupe überwintert. Die frühlingshaften Sonnentage um die Monatsmitte Februar hat die Temperaturen in der steilen Felswand sehr gut erwärmt. Die sogenannte Eiraupe hat sich ein kleines Loch geknabbert und windet sich ins Freie. Unmittelbar danach beginnt die Suche nach der Futterpflanze. Die winzige Raupe orientiert sich von einem Felsvorsprung ausgehend und scheint zu schauen, welches der kürzeste Weg zur nahegelegenen Fetthenne ist. 

Als kleine Eiraupe hatte sie noch graue Punkte. Nun sind die orangenen Punktereihen schon ausgebildet. Am Anfang des Raupenlebens frisst die kleine Raupe ausschließlich die mittleren zarten Triebe der Weißen Fetthenne.
Zwischen den Fressphasen zieht sich die Raupe gerne in die Bodenvegetation zurück, um kurz auszuruhen. Bei sehr starker Sonneneinstrahlung schützt sie sich dadurch auch vor Überhitzung.
Die erwachsene Raupe hat sich schon viermal gehäutet. Ein letztes Mal wird sie sich richtig vollfressen, um gut auf die nun bevorstehende Verpuppung vorbereitet zu sein.

Die Puppen

Während in der umliegenden Umgebung die Natur Fahrt aufnimmt, steht der letzte Schritt innerhalb der Entwicklung zum Schmetterling bevor. Anfang Mai zieht die Raupe sich in die Bodenvegetation zurück und spinnt sich lose ein, um sich auf die Verpuppung vorzubereiten. Der nächste Schritt ist ein Kraftakt. Die Verwandlung der Raupe in die Puppe und darin zum Schmetterling. Nach etwa zwei bis drei Wochen ist die sogenannte Puppenruhe beendet und der fertig entwickelte Falter startbereit.

Wenn Natternkopf, Färberwaid und weitere Pflanzen die Moselberge erblühen lassen, wird es Zeit für das nächste Stadium.
Die Schmetterlingpuppe liegt nur spärlich geschützt inmitten der Vegetation am Boden. Ein Rest abgestreifte Raupenhaut verrät, dass diese Gestalt vormals eine Raupe war.
Während in der Puppe die völlige Umwandlung zu einem Schmetterling stattfindet, fangen rundherum die Reben an zu blühen.

Die Falter

Nach weiteren 2 - 4 Wochen Puppenruhe haben die Apollofalter ihren Auftritt!

Die Natur hat es so eingerichtet, dass die Männchen wenige Tage vor den Weibchen schlüpfen. Nachdem sie aus der Puppe geschlüpft sind, verweilen sie solange in der Vegetation, bis ihre Flügel vollständig ausgebreitet und getrocknet sind. Dann sind sie startbereit zu ihrem ersten Flug. Ganz leicht und majestätisch fliegen sie entlang der steilen Felswände, immer auf der Suche nach frisch geschlüpften Weibchen, um diese zu begatten. Dabei legen sie auch schon einmal längere Strecken zurück. In der Regel patrouillieren sie aber in einem abgesteckten Radius. Meist ist es ein Felsbereich, der nur verlassen wird, um ein neues Gebiet zu erkunden.

Ein Männchen macht hier Pause in der Vegetation. Ein eher seltenes Bild, denn bei trockenen und warmen Sonnentagen fliegt es meist rastlos auf der Suche nach Weibchen umher.
Nach dem Schlüpfen wartet das Weibchen am Boden auf ein Männchen. Erst nachdem es begattet wurde, fliegt es los und beginnt mit der Eiablage.
Ein Männchen (l.) und ein Weibchen (r.) begegnen sich vermutlich nicht zufällig auf dieser Kartäusernelke. Nicht die Blüte, sondern der Duft des Weibchens hat ihn angezogen.
Dieses Männchen hat ein Weibchen in der Luft angeflogen und beide sind zu Boden getaumelt. Zu Beginn der Paarung kann es durchaus ruppig zugehen, später verweilt das Pärchen ruhig am Boden oder hängend an einer Pflanze. Der Akt kann mehrere Stunden dauern.
Die Flugzeit des Mosel-Apollofalters ist großen Schwankungen unterworfen und mit dem Wetterverlauf im Frühjahr verbunden. In den vergangenen Jahren sind sowohl der Raupenschlupf als auch der Start der Apollofalter immer weiter vorgerückt. Erste Falter wurden im Jahr 2025 schon in der zweiten Maiwoche beobachtet. Mitte Juli flogen nur noch vereinzelt wenige Falter. (Grafik: Stand 2025)

Und alles beginnt von vorne

Die vier extrem unterschiedlichen Stadien der Entwicklung sind perfekt an ihre jeweilige Umgebung angepasst. Dennoch gibt es viele störende Faktoren. Wie immer in den vergangenen Jahren bleibt zu hoffen, dass die Entwicklung der nächsten Generation vom Ei über die Raupe und die Puppe bis zum nächsten Start der Apollofalter im darauffolgenden Mai ohne Probleme verläuft und dass er die Herausforderungen durch den fortschreitenden Klimawandel und die Lebensraumveränderungen meistert.

Möge uns der Apollofalter erhalten bleiben und jedes Jahr aufs Neue erfreuen!